MUSEUM GIERSCH Frankfurt am Main - Schaumainkai

MAGIE DES AUGENBLICKS
Skizzen und Studien in Öl
27. September 2009 - 31. Januar 2010

Carl Ludwig Seeger: Blick vom Schlossatelier auf die Stadtkirche,
um 1841, Privatbesitz

Eduard Wilhelm Pose: Blick auf San Giovanni in Laterno und die Aureliansmauer;
Kunsthandlung J.P. Scheider jr., Frankfurt am Main

Die Ausstellung "Magie des Augenblicks - Skizzen und Studien in Öl" gibt erstmals einen Überblick über Ölskizzen und Ölstudien, die im Bezug zur Kunstlandschaft Rhein-Main stehen. In einer Auswahl von über 130 Kunstwerken vom 18. bis zum frühen 20. Jahrhundert werden die unterschiedlichen Formen, Funktionen und Bedeutungen dieser wenig gezeigten Gattung thematisiert und ihre Entwicklung anschaulich vor Augen geführt.

Im Gegensatz zu den monochromen Skizzen und Studien, die mit Blei oder Tusche angefertigt wurden, liegt der besondere Reiz der Ölskizzen und Ölstudien in ihrer Farbigkeit und Pinselführung. Sie zeichnen sich durch Spontaneität, Frische und malerische Offenheit aus. Im künstlerischen Gestaltungsprozess bildeten sie für den Künstler ein wichtiges Medium. Sie dienten ihm zum einen zur schnellen und flüchtigen Fixierung erster Ideen von Farbe, Form und Gesamtkomposition des späteren Gemäldes. Zum anderen setzte sich der Künstler in Detailstudien intensiv mit dem gewählten Motiv auseinander.

Philipp Veit: Apostel Thomas, 1843/47,
Landesmuseum Mainz

Wilhelm Lefèbre: Männlicher Akt, 1914
Privatbesitz

Die Ausstellung präsentiert das Spektrum der Ölskizzen und -studien in chronologischer und thematischer Ordnung. Die Bandbreite reicht dabei von Figuren-, Proträt-, Tier-, Wolken- bis zu Landschaftsmotiven. Im 18. Jahrhundert diente die Ölskizze vor allem zur Vorbereitung großformatiger Altargemälde sowie Monumentalmalereien. Maler wie Johann Conrad Sekatz legten sich mit Skizzen und Studien in Öl einen reichen Fundus an Motiven an, auf den sie in späteren Bildern immer wieder zurückgriffen.

Im 19. Jahrhundert wendeten sich viele Künstler von der akademisch duchgearbeiteten Komposition ab. Sie interessierten sich nun verstärkt für das natürliche Licht und die natürliche Umwelt mit dem Ziel, diese naturgetreu darzustellen. Während Ölskizzen und -studien bislang im Atelier angefertigt wurden, entstanden sie nun direkt vor Ort. In der Region Rhein-Main leisteten die Darmstädter Landschaftsmaler Georg Wilhelm Issel, Johann Heinrich Schilbach und Carl Ludwig Seeger Pionierarbeit bei der Aneignung von Natur und Landschaft, die sie mit besonderer malerischer Offenheit und Bewegtheit darstellten.

Jakob Fürchtegott Dielmann: Bauernhof im Taunus, 1847,
Privatbesitz

Albert Hendschel, Zwei Künstler bei der Arbeit, ohne Datierung, Öl auf Papier auf Karton

Großer malerischer Sensualismus kennzeichnet die Studien und Skizzen von Nazarenern wie Philipp Veit. Sie stehen damit in deutlichem Gegensatz zu der kompositorischen Strenge und feinmalerischen Klarheit ihrer ausgeführten Werke.

Fasziniert vom Licht Italiens, hielten August Lucas, Carl Morgenstern und Eduard Wilhelm Pose ihre Reiseeindrücke des südlichen Landes, der klassischen Sehenswürdigkeiten, der Bevölkerung und der Vegetation sowie der atmosphärischen Stimmungen in einer großen Anzahl von Skizzen und Studien in Öl fest.

Auch in Frankfurt und Kronberg entstanden direkt in der Natur gemalte Ölskizzen und -studien. Künstler wie Karl Peter Burnitz, Anton Burger, Jakob Fürchtegott Dielmann, Victor Müller und Fritz Wucherer fingen dabei ganz subjektive und atmosphärisch-stimmungsvolle Natureindrücke ihrer Heimat ein. Viele dieser Künstler hatten zuvor Frankreich bereist und dort unter dem Einfluss der französischen Pleinairmalerei neue Impulse für die Malerei der Region erhalten.

Adolf Hoeffler: Nestfarn, 1851,
Kunsthandlung J.P. Schneider jr, Frankfurt a.M.

Friedrich Ernst Morgenstern: Brandung bei Ostwind auf Arran, 1884,
Privatbesitz

Im ausgehenden 19. Jahrhundert erlangten die Ölskizzen ihren bedeutungsgeschichtlichen Höhepunkt. Zwischen ihnen und den fertigen Gemälden lassen sich kaum noch Unterschiede in der Malweise erkennen. Die Skizzenhaftigkeit wurde zur subjektiven Ausdrucksform des Künstlers. Arbeiten von Ferdinand Brütt, Louis Eysen und Wilhelm Steinhausen zeigen diese malerischen Grenzüberschreitungen eindrucksvoll auf.

Die Künster verwahrten die meisten Ölskizzen und Ölstudien als Motivschatz und Dokument des Erlebten in ihrem privaten Besitz. Das breite Publikum hatte selten Gelegenheit, derartige Arbeiten zu sehen. Meist wurden sie nur im Künstlerkreis diskutiert und kamen in der Regel erst nach dem Tod der Maler ans Licht der Öffentlichkeit. Mit der Etablierung des Impressionismus in Deutschland lernte das große Publikum diese auch für den heutigen Betracher sehr reizvollen Arbeiten schätzen.

Johann Heinrich Hasselhorst: Drei Eisbären, Privatbesitz

Den Katalog zur Ausstellung können Sie hier bestellen.